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Harmonie-Sitzung 2007
Mainhausen (jim) • Die Mischung macht's: Mit einem Programm der Kontraste bot der Gesangverein Harmonie im Bürgerhaus Zellhausen eine bunte Narretei, heiter wie ein Notenblatt voller Melodien in Dur. Bis zum großen Finale ging das Publikum begeistert mit. Es erlebte perfekten Gesang, Büttenbeiträge mit dem Ohr ganz nah an den Bürgern und grandiosen Showtänzen. Das musikalische Duo Norbert und Engelbert traf dazu immer den richtigen Ton.
Völlig unvermittelt der Ein stieg in den fröhlichen Abend. Eine Showgruppe legte die Messlatte für die folgenden Beiträge mit Gesang und Tanz ordentlich hoch: Es war der junge Elferrat um seinen Vorsitzenden Nikolaus Reuter, der die Bühne und das Publikum im Sturm eroberte. Ein Einzug der ganz anderen Art. Dann wurde es gleich zeremoniell. Das 30. Prinzenpaar der Zellhäuser Fastnachtsnarren (ZFN) zeigte sich seinen Untertanen. Sandra I. (Held) und Frank I. (Winter) sind die gekrönten Häupter der Kampagne 2007. „Die Harmonie hat immer Phantasie", schickte Frank I. dem Abend gleich voraus. Be- vor sie sich aber mit ihren Pagen Bianca Heusert und Michelle Zöller auf ihre Aussichtsloge zurückziehen durften, mussten sie ein Quiz be stehen.
Im Anschluss tauchten zwölf bezaubernde Mädchen wie eine Fata Morgana auf, gewandet in orientalische Tücher wie aus 1001 Nacht. Es war die Jazztanzgruppe der Turnerschaft Klein-Krotzen- burg, die unter morgenländischen Klängen aus „Suleika"Figuren so leicht wie ihre Schleier aufs Parkett zauberten. Damit haben sie auch schon die Fernsehzuschauer begeistert. Für die Choreographie zeichnete Dunja Petzold verantwortlich.
Die Ortsfriseurin (Anja Hinze) weiß alles. „Mir wisse alles in Land und Stadt, wer fremdgeht und Huste hat". So plauderte sie in der Butt, nicht immer unbedingt diskret, so manches aus was Mann nicht so gerne hört. „Aussehen wolln'se zehn Jahre jünger, die Haarn wem trotzdem immer dünner". Sich selbst nahm sie in ihrem Refrain auch aufs Korn: „Des geht bei mir ganz fix, en schöne Mann entstellt doch nix".
Den Worten folgte eine nahezu sportliche Darbietung. Lisa Ludwig und Jenny Hauptmann wirbelten als US-Garde-mädchen. Die Bühne hätte nicht kleiner sein dürfen, ihr Mix aus Tanz und Turnen brauchte viel Platz. Bei aller Anstrengung war das Doppel perfekt, und auch die Zugabe schafften sie locker und lächelnd. Ihre Trainerin ist Mareike Ritter. Auch der nächste Beitrag brauchte Platz, denn die Bambinis der „Harmonie" spielten allesamt in Trikots noch einmal die Begeisterung des Sommer-märchens, der Fußball-WM 2006, nach. Aber keine reine Nostalgie war angesagt, denn der Schwung der geschätzten 40 Kinder mit ihrer Leiterin Resi Uhlig sollte noch eine Weile reichen. Weil: „Alles ist in dem Sinne, dass mir 2010 in Afrika gewinne". Die erste Rakete war fällig. Dann eroberten die „Dancing Devils" mit mystisch-rhythmischen afrikanischen Tänzen den Saal. 15 Mädchen (Choreographie wieder Mareike Ritter, Prinzessin aus 2003) im schwarzen Shirt, Baströcken und Accessoires in Leopar- den-Optik waren eine Augenweide. Der berühmte Funke
  sprang  auf  die  Gäste  über,  sie  gingen
 
gingen begeistert mit zu den heißwabernden Klängen der Hits wie „Afrika" oder „In Za- ire".
Ein Hit der ganz anderen Art war eine Radioreportage vom 4. Juli 1954. Herbert Zimmermann kommentierte das Endspie] in Bern. Und dessen Schluss-sequenz be-gleitete den Auftritt der „Ers-ten Mannschaft" in Fritz-Walter- Schnürsenkel-Trikots. Reime wie in der Bütt gab's, dann wieder Gesang rund um's runde Leder. Begleitet von Stefan Claas am Flügel und Norbert Schneider an der Gitarre standen die Herren der Schöpfung wieder im Training, wenn auch teils bandagiert. Aber: „Mit dem dritte Platz, wer hätt's gedacht, der Fußball wieder Freude macht". Immer wieder wurde der Fußballsommerhit geschmettert, und der ganze Saal sang mit.
Nach der Pause der längste Beitrag des Abends. Kein Wunder, hatte der Frauen- chor doch über die Reise nach Wien Protokoll geführt. So durfte das Publikum teilhaben an einem klassischen, einge-schlechtlichen Ausflug. Die besseren Hälften, daheim ge-lassen, waren dennoch Ge genstand mancher Spitze. Margarete Simone stattete im schönsten Wiener Schmäh Bericht ab, unterstützt von Jakob Herr. Der Chor ergänzte gesanglich die Geschehnisse. Ihr Refrain zeigte keinerlei Scheu vor dem Älterwerden. „Jünger werd' ich nimmer, aber immer schlimmer. Wann mir a net jünger, schöner, g'scheiter wem, so leb' ich trotzdem gern", war ihre lebensbejahende Botschaft. Die Leitung hatte Almut Lang.
„We will rock you" war dann angesagt. Von den (nicht immer) zahmen Sängerfrauen ein Wechsel, der krasser nicht hätte sein können. Punkerinnen, eine Tanz gruppe der „Schimmel" aus Mainflingen, sorgten im Land der Bruchkatzen für   optische Reize zu  fetziger   Musik. „Die flotte Hübber in de heiße Schlabbre", so der Sitzungspräsident, rissen das Publikum mit.
Die Gewohnheiten ihrer Vereinsmitglieder, vor allem wenn es ums Essen und Trinken geht, kannte die „Brezel- Fraa" Rita Herr nur allzu genau. Sie selbst gab sich auch nicht ohne: „Isch bin e Geschäftsfraa mit einnehmendem Blick, ihr gebt mir Geld, und ich nix zurück". Höchste gesangliche Leistungen boten dann „The Eddings & die Z-Noses" mit ihrem mehrstimmigen Gesang, teils a cappella vorgetragen. Das Publikum folgte aufmerksam, ja fast ergriffen. In Lied und Text wurde Zellhäuser Alltag und das Vereinsleben humoristisch widergespiegelt. Und es gab ein Abschiedslied für Stefan Claas, der nach acht Jahren musikalischer Begleitung der Sängerschar den Verein ver-lässt.
Einen grandiosen Schlusspunkt setzte schließlich „Jazz for fun" von der Turngemeinde Zellhausen unter der Leitung von Sandra Ittermann. Nach dem Einzug unter dramatisch angehauchter Kosakenmusik ließen sie beim Kasatschok mit artistischen Einlagen die Röcke wirbeln. Ihr Auftritt war perfekt, geradeso als hätte man die Gruppe, zwei Männer waren Hahn im Korb, direkt aus Moskau engagiert. Auch sie können schon auf einen Fernsehauftritt verweisen. Kraftraubend hin oder her: Ohne Zugabe ließ sie das Publikum nicht von der Bühne. Für „Jazz for Fun" dürfte die wohl lauteste dreistufige Rakete desn Abends „gezündet" worden sein. Ein Medley aus Fastnachtsliedern begleitete das große Finale.