Hühnerhaufen mit Gickel oder  Hexenkessel -
Programm hob das Publikum aus dem Sessel
Gut viereinhalbstündige Fastnachtssitzung des Gesangvereins Harmonie begeisterte
das Publikum im vollbesetzen Bürgerhaus Zellhausen

Zellhausen (op) • Die Fastnachtsabteilung der Harmonie Zellhausen hat's wieder geschafft, ein Feuerwerk karnevalistischer Spitzenleistun-
gen zu zünden. Der herrlich geschmückte Bürgerhaussaal war voll. Norbert Schneiders Stimmungs-Duo „Zweitakter" sorgte mit schmissigen Lie dern von Beginn an für hohen Stimmungspegel. Die niveauvollen Gesangs-, Bütten und Tanzvorführungen waren technisch perfekt umgesetzt. Dafür sorgten Thorsten Schmidt (Licht) und Tom Ulrich (Ton).

  Eröffnet wurde die Sitzung mit dem Einzug des Elferrats aus Mitgliedern des Jugendchors, in der Mitte Sitzungspräsident Udo Reuter im knalligen Gewand. Gewohntsouverän hatte er von der ersten Minute an das närrische Volk im Griff und führte gekonnt durch das gut vier einhalbstündige Programm. Prinz Rainer (Frickel) und Prinzessin Manuela (Kiehl) mussten in einem fastnachts musikalischen Eignungstest ihre Qualifikation beweisen, bevor sie mit Pagen (Jana Eckert und Angelina Haber mann) und Till (Nadine Feh rensen) im geschmückten Palais Platz nehmen durften.
  Als erster Redner glossierte Vereinsvorsitzender Winfried Herr in geschliffenen Versen die Geschehnisse von der großen Weltpolitik bis zum Orts
geschehen. Dass da nicht nur Lobeshymnen zu hören waren, verstand sich.
  Das WM-Fieber in Fußbal Deutschland hatte die Jazztanzgruppe der Turnerschaft Klein-Krotzenburg, zum Thema ihres schwungvollen Tanzes gewählt. Mit einem Streifzug durch bekannte Kicker Lieder tanzte sich die von Dunja Petzold geleitete Formation in die Herzen.



Die Jazztanzgruppe der Turnerschaft Klein-Krotzenburg begeisterte das Publikum mit Ihren schwungvollen Darbietungen.

   „Ab in den Süden" lautete das Motto des Harmonie-Kinderchors. Die Kleinsten des Vereins sangen in passender Schwimmtier-Dekoration von Sonne, Strand und Urlaub, stellten aber fest, dass Zellhausen doch der „geilste" Urlaubsort sei. Theresia Uglik leitete die Gruppe.
  Es folgte ein Büttenvortrag, der anschaulich darstellte, welche unangenehmen Folgen übermäßiger Alkoholkonsum haben kann. Den Spirituosenfreund gab Wolfgang Amerschläger unnachahmlich pointenreich, mit viel Applaus bedacht.
  Letzter Punkt der ersten Halbzeit war der Millenniumchor. Der kleine Chor der Harmonie drehte das Rad der Zeit um einige Monate zurück, ließ die Geschehnisse rund um die Mainhausener Bürgermeister Revue passieren.


Dietrich Egner ( Eckhard Ulrich) beim Wahlkampf.


Aufgeteilt in Wahlkampf-Gruppen, postierten die Sänger ihre Stände vor dem Supermarkt. Leiter Hans Sand achtete auf ordnungsgemäße Wahl und wartete mit einer dicken Überraschung auf: Als fünfter Kandidat stellte sich Udo Reuter von der Partei U.D.O. (Unser Dickster Optimist). Plötzlich aufgetauchte. 'Nacktaufnahmen' setzten
seinen Ambitionen jedoch ein schnelles Ende. Einstudiert und am Klavier begleitet war die ideenreiche Show von Dirigent Stefan Claas. Nach der Pause wurde es bunt.
  Die Harmonie-Frauen hatten ihren Auftritt als fröhliche Hühner auf dem Hof. Inspiriert hatte sie eine Chorfahrt ins Schwäbische, bei der sie im Hotel „Hühnerhof" untergebracht waren. In herrlichen Federkostümen ließen sie die Reise lebendig werden; schon der erstklassig vorgetragene




Die Frauen der Harmonie Zellhausen begeisterten das Publikum mit Ihren farbenfrohen Hühner-Kostümen.


   

Hühnerhof-Rap ließ ahnen, was passiert, wenn Zellhäuser Hühner den Bären raus lassen.
  Auch die Bürgermeisterwahl und der Lebensabend im Aurelius-Hof beschäftigte die gackernde Schar auf der rustikal geschmückten Bühne. Da durfte der Gickel nicht fehlen, den Ex-Bürgermeister Dieter Gröning darstellte. Ausgedacht hatte sich das Spektakel Margarete Simon, für musikalische Umsetzung sorgten versiert Almut und Lutz Lang.




Erwartungsvoll, die Hühner um Ihren Gickel (Bürgermeister Dieter Gröning).

  Ein weiterer Höhepunkt war der nächste Büttenvor-
trag. Die zuvor als „Eierfraa" in Erscheinung getretene Rita Herr vollzog eine schier unglaubliche Wandlung von der biederen Putzfrau zur män nermordenden Domina mit Peitsche und Kette im heißen Gummi-Dress. Das Publikum, völlig aus dem Häuschen, dankte mit Beifallsstürmen.



Rita Herr, von der Putzfrau zur Domina in Leder. Einer der Höhepunkte des Abends.


  „Nacht der Klassik" lautete das Motto des Jugendchors. Rene Kollo (Sebastian Kühn) oder Königin der Nacht (Nikolas Reuter) - die Veranstal-
ter hatten weder Kosten noch Mühe gescheut, die größten Stars in die Harmonie-Halle zu holen. So wurde Ludwig van Beethoven (Andre Stenger) reanimiert, um sein unsterbliches „Roll over Beethoven" auf der E-Gitarre zu intonieren. Tourneebuchhalter Tipsi Doppelpunkt (Andreas Kiehl) brillierte im „Typewriter-Song" auf seiner Schreibmaschine. Für eine Einlage wurde das weltberühmte Bolschoi-Ballett aus Moskau ein geflogen. Zu Johann-Strauß-|Melodien glänzte Jens Malsy als Primaballerina.
  Zum Abschluss kündigte Moderatorin Janina Reuter den Höhepunkt an: Montserrat Caballe (Jakob Herr) und Freddie Mercury (-FrederikHerr) sangen die Hymne auf die Heimatstadt der Sopranistin, „Barcelona". Richard Kleinermann (Felix Herr) begleitete das Duo am Klavier. Wunderbar kostümiert und gestisch überzeugend, rissen sie die Leute von den Stühlen. Und nach hartnäckigen „Zugabe"-Rufen mussten sie ihren Vortrag wiederholen.
  In einem rauchenden Hexenkessel wurde der nächste Punkt angerührt. Als Hexen verkleidet sorgten die Tänzerinnen von „Jazz for Fun", einer Gruppe der TG Zellhausen, für Gruselstimmung. Effektvoll kostümiert und mit ausgefeilter Choreografie hatten die von Sandra Ittermann trainierten Mädchen das Publikum auf ihrer Seite.
  Zum Abschluss trafen vierleicht verspätete Sänger aus Russland ein, die an den Internationalen Chortagen 2003 teilnehmen wollten. Da Visa Probleme ihre Anreise verzögert hatten, wurden sie kurzerhand zur Harmonie geschickt. Ihre Lieder erzählten unter anderem von Trinkgewohnheiten russischer Sänger. Mit „Traumfrau" Christa Heutzenröder sangen sie „Kaiinka". Andreas Herr, Klaus Zilch, Stephan Herr und Winfried Herr wurden von Stefan Claas und Norbert Schneider auf der Gitarre begleitet, die danach zum Finale des rundum gelungenen Fastnachtabends aufspielten.


  
Nach einer viereinhalbstündigen phantastischen Sitzung, das Finale.